Die Wahrheit zuerst
2:11:23 Netto. 2:16:02 Brutto.
Platz 6969 von allen. Platz 4686 unter den Männern. Platz 366 in meiner Altersklasse.
Das war nicht das, was ich wollte.
Ich wollte unter 2 Stunden. 1:59:59 wäre mein Erfolg gewesen.
Es wurde kein Erfolg in diesem Sinne. Aber es war trotzdem ein Tag, den ich so schnell nicht vergesse.
Die ersten 6 Kilometer – und der größte Fehler
Am Start war noch alles entspannt.
Ich war in Block A3. Meine Frau war auch dabei – sie ist ein bisschen weiter hinten mit einer Freundin gelaufen. Zuerst haben wir die Freundin gesucht, dann bin ich in meinen Block gegangen.
Das Wetter war perfekt. Sonnig, nicht zu kalt – obwohl Regen angesagt war. Kein einziger Tropfen.
Ich war fokussiert. Nicht nervös. Bereit. Was ich in den letzten Wochen vor dem Start noch trainiert habe, habe ich dir schon erzählt.
Und dann bin ich zu schnell losgegangen.
Die ersten 6 Kilometer haben sich wunderschön angefühlt. Leicht. Fließend. Genau so, wie man sich das vorstellt.
Das war der Fehler.
Mein Plan hat etwas anderes gesagt. Ich habe ihn ignoriert. Und ab Kilometer 7 habe ich dafür bezahlt.
Ab Kilometer 7 – der lange Absturz
Der Einbruch kam nicht plötzlich. Er kam schleichend – und dann mit voller Wucht.
Mein Puls stieg auf über 174. Das wäre eigentlich verkraftbar gewesen. Aber ich fühlte mich einfach leer. Fertig. Ausgepresst.
Ab Kilometer 8 habe ich mir eine neue Taktik überlegt: Bis Puls 171 laufe ich. Dann Gehpausen, bis er unter 160 fällt.
Das hat eine Weile funktioniert.
Bei Kilometer 14, 15 war selbst das schon zu viel.
Von dort weg gab es nur noch ein Ziel: irgendwie ins Ziel kommen. Es wäre mir egal gewesen, ob ich drei Stunden brauche. Mein echtes Ziel war sowieso schon lange weg.
Meine Splits erzählen die Geschichte ziemlich brutal – nachzulesen auch in den offiziellen Ergebnissen des Vienna City Marathon:
- 5 km: 27:44 – 5:33 min/km
- 10 km: 58:06 – 6:05 min/km
- 15 km: 1:30:42 – 6:32 min/km
- 20 km: 2:04:55 – 6:51 min/km
Jeder Split langsamer als der davor. Lehrbuchmäßig falsch gelaufen.
Die Atmosphäre beim Vienna City Halbmarathon 2026 – das hat mich gerettet
Ich will ehrlich sein: Die Atmosphäre hat mich durch die zweite Hälfte getragen.
Die Kulisse mit den Hochhäusern. Die 50.000 Läufer. Die Abertausenden Zuschauer entlang der Strecke.
Das muss man gesehen haben.
Und am Ende, auf dem roten Teppich ins Ziel – da habe ich Gänsehaut bekommen. Die Zuschauer haben in Ekstase geschrien.
Ich habe mir eingebildet: Das ist alles für mich.
Wahrscheinlich haben sie die Eliteläufer gefeiert, die gerade den ganzen Marathon beendet haben. Aber in diesem Moment war mir das egal.
Ich habe es mir einfach genommen.
Im Ziel
Als ich die Streckenaufteilung am Ende gesehen habe – rechts Halbmarathon fertig, links weiter für den ganzen Marathon – war ich so froh wie selten.
Ich bin noch nie einen Marathon gelaufen.
Nach 21 Kilometern, in dem Zustand, war ich mir ziemlich sicher: Ich werde das wahrscheinlich auch nie tun.
Was für eine Ausdauer das braucht – ich habe tiefen Respekt davor bekommen.
Mein erster Gedanke im Ziel?
Gott sei Dank ist es vorbei.
Was mich das gelehrt hat
Die Erkenntnis ist simpel. Und ich hätte sie eigentlich schon kennen müssen.
Ohne ordentlich trainieren werden keine Rekorde gebrochen.
Keine Läufe skippen. Keine Ausreden. Kein Glauben daran, dass es schon irgendwie klappt.
Ich habe geglaubt, ich schaffe unter 2 Stunden. So kann man sich täuschen. Dasselbe gilt übrigens für den Konflikt zwischen Laufen und Muskelaufbau gleichzeitig mit 50 – irgendwo zahlt man immer einen Preis.
Die Vorbereitung war nicht gut genug. Das war das Ergebnis.
Was jetzt kommt
Ich bin bereits angemeldet.
Graz 2026. Halbmarathon. Ziel: 1:44:59.
Das ist kein Tippfehler. Das ist der Plan.
Wien hat mir gezeigt, wo ich stehe. Graz wird zeigen, was möglich ist – wenn ich es diesmal wirklich ernst nehme.
Mein Fazit
Der Vienna City Halbmarathon 2026 war nicht das, was ich wollte.
Aber er war genau das, was ich gebraucht habe.
2:11:23. Zu schnell gestartet. Ab Kilometer 7 eingebrochen. Gelitten wie selten. Trotzdem ins Ziel.
Die Atmosphäre war grandios. Die Lektion war klar.
Jetzt kommt Graz.
FAQ
Was war deine Zeit beim Vienna City Halbmarathon 2026?
Meine Nettozeit war 2:11:23, Bruttozeit 2:16:02.
Hast du dein Ziel erreicht?
Nein. Ich wollte unter 2 Stunden laufen. Das ist mir nicht gelungen.
Wo bist du eingebrochen?
Ab Kilometer 7. Ich bin die ersten 6 Kilometer zu schnell gelaufen und habe das in der zweiten Hälfte brutal bezahlt.
Wie war die Atmosphäre beim Vienna City Halbmarathon 2026?
Absolut grandios. 50.000 Läufer, tausende Zuschauer, der rote Teppich ins Ziel – das war ein Erlebnis.
Was ist dein nächstes Ziel?
Graz 2026, Halbmarathon, Ziel 1:44:59.
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