Ich hasse Training. Wirklich.
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals echte Freude am Training hatte. Kein Hochgefühl, kein „Endlich darf ich wieder“. Und trotzdem mache ich es. Und ich mache es ordentlich. So wie es im Plan steht.
Manchmal muss ich schmunzeln, wenn ich an das frühere Laufen mit meiner Frau denke. Sie war mit Rollschuhen unterwegs, ich bin gelaufen. Ich habe alles gegeben, war wirklich dabei, und sie hat mir unterwegs irgendwelche Schmetterlinge oder Vögel gezeigt. Ich hätte wahrscheinlich nicht einmal einen Dinosaurier gesehen, so sehr war ich auf meinem Training fokussiert.
Was ich am Training wirklich hasse
Im Fitnessklub hasse ich es, wenn Leute Geräte blockieren. Ich verstehe nicht, warum manche das Fitnessstudio als soziales Netzwerk benutzen. Haben diese Menschen keine Freunde? Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Person, die gerade angequatscht wird, innerlich hofft, dass der andere endlich wieder geht.
Manche wollen im Fitnessklub einfach trainieren. Punkt. Das verstehen nicht alle.
Ich hasse es, morgens laufen zu gehen. Vor allem im Winter, wenn es kalt ist. Ich hasse es aber auch im Sommer, wenn es heiß ist. Eigentlich ist das Wetter nie richtig.
Und mitten im Training, wenn mir schwarz vor Augen wird, frage ich mich oft: Warum mache ich das alles?
Ich sehe genug Leute, die leben, als gäbe es kein Morgen. 30 Kilo mehr auf den Hüften, null Bewegung – und die leben auch. Teilweise sogar ziemlich gut. Zumindest schaut es von außen so aus. Das hat für mich wenig mit Motivation zu tun, sondern mehr mit Disziplin.
Was ich noch mehr hasse als Training
Wirklich hassen tue ich die Tage und Wochen, in denen ich nicht trainiere. Und dann wieder von vorne anfangen muss.
Warum verliert der menschliche Körper so schnell, was man sich mühsam aufgebaut hat, sobald man ein paar Wochen nicht trainiert?
Zwei Wochen Pause, und plötzlich schaffe ich die Gewichte nicht mehr, die vorher gegangen sind. Die Geschwindigkeit beim Laufen ist weg. Alles fühlt sich schwerer an. Als hätte man nichts aufgebaut.
Das ist es, was ich wirklich hasse. Nicht das Training selbst, sondern dieses Zurückfallen.
Es gab auch andere Zeiten
Ich erinnere mich an eine Phase, das ist schon länger her, da bin ich gerne gelaufen. Ich war im Flow. Höchstform.
Ich bin Geschwindigkeiten gelaufen, die ich zwei Wochen davor für unmöglich gehalten hätte. Und plötzlich waren sie nicht einmal richtig anstrengend. In dieser Zeit bin ich einen Halbmarathon in 1:36:36 gelaufen. Meine Bestzeit.
Leider dauern solche Etappen nie lange.
Warum ich trotzdem trainiere
Ich gehe trainieren, weil ich nicht mehr anders kann.
Es steht im Plan. Und es tut noch mehr weh, wenn ich nicht gehe.
Ich will im Alter noch beweglich sein. Ich will halbwegs ordentlich aussehen. Ich will in Würde alt werden.
Natürlich kann immer etwas passieren. Krankheit, Verletzung, Pech. Aber dann will ich zumindest wissen, dass ich alles mir Mögliche getan habe, um meine Gesundheit zu bewahren.
Wenn ich trainiere, fühlt sich das manchmal schlecht an. Wenn ich nicht trainiere, fühlt es sich noch schlechter an.
„Wenn es keinen Spaß macht, lass es doch“
Diesen Rat höre ich immer wieder.
Wenn ich danach gehen würde, müsste ich viele Dinge lassen. Arbeiten macht auch nicht immer Spaß. Verantwortung tragen auch nicht. Termine, Verpflichtungen, Alltag – vieles davon ist nicht lustig.
Und trotzdem macht man es.
Warum sollte Training die große Ausnahme sein?
Älter werden – und es nicht mögen
Jetzt, wo ich kein Junge mehr bin, trainiere ich im Grunde nicht viel anders als vor 20 Jahren. Zumindest fühlt es sich so an.
Ich muss aber ehrlich zugeben: Ich hasse es, zu altern. Ich fühle mich nicht alt. Ich weiß, dass die Zeit vergeht. Ich kenne all die Sprüche über würdevoll altern.
Ich kann das nicht.
Ich mag meine Geburtstage nicht. Und der 50ste war für mich der schlimmste.
Mein Fazit
Ich hasse Training manchmal.
Aber ich hasse es noch mehr, mich scheiße zu fühlen.
Und genau deshalb mache ich weiter.
Wie ist das bei dir – was fühlt sich für dich schlimmer an: zu trainieren oder es bleiben zu lassen?
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