Training

Übertraining ab 40: Wie ich zu viel wollte – und mein Körper mich gestoppt hat

20. Dezember 2025
Von Sorin-Mihai Sas
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Meine Laufgeschichte hat eigentlich harmlos begonnen. Bei der Arbeit habe ich beim Brucker Businesslauf mitgemacht. Fünf Kilometer. Nichts Tragisches. Nichts was man nicht so nebenbei machen kann. Danach bin ich einfach weitergelaufen. Regelmäßig, aber ohne Plan. Ohne Ziel. Einfach, weil es sich gut angefühlt hat. Schuhe an, raus, schauen was kommt.

Ich war motiviert. Aber wie so oft in meinem Leben, hatte ich hatte keine Richtung.

Irgendwann habe ich mir dann einen Trainingsplan von Greif gekauft. Das war der Wendepunkt. Auf einmal hatte alles einen Sinn. Intervalle, Tempoläufe, lange Läufe. Ich wurde schneller. Spürbar schneller. Das hat mich gepackt. Ich wollte mehr. Ich wollte sehen, was möglich ist.

Wenn du verstehen willst, warum Männer ab 40 oft nicht zu wenig, sondern falsch trainieren, lies auch meinen Artikel [Training ab 40: Die 3 wichtigsten Regeln].

Wie aus Motivation Besessenheit wurde

In dieser Zeit bin ich irgendwann auf den Blog von Balschuweit gestoßen. Damals waren sie noch ziemlich unbekannt. Aber sie haben schon etwas gemacht, das mich fasziniert hat: Streakrunning. Jeden Tag laufen. Ohne Pause. Lang, aber langsam. Ruhig. Konstant.

Ich weiß nicht mehr genau, wie viele Jahre sie das damals schon gemacht haben. Aber ich weiß noch genau, was ich gedacht habe:

„Das will ich auch.“

Das klang für mich so exotisch, so „englisch“. Streakrunning. Die meisten wussten gar nicht was das ist.

Ich hatte eine App, in der ich jeden Lauf eingetragen habe. Ich wäre heute so froh, wenn ich noch wüsste, wie sie heißt. Diese App hat mich brutal motiviert. Für jeden Kalendertag, an dem ich gelaufen bin, habe ich ein kleines Läufermännchen bekommen. Und ich habe diese Männchen geliebt. Wirklich. 

Ich wollte meine Männchen nicht verlieren. Ich wollte diese Kette nicht reißen lassen. Keinen einzigen Tag.

Ein Jahr. Jeden Tag. Ohne Pause.

Ich bin ein Jahr und etwa einen Monat durchgelaufen. Jeden Tag mindestens 6 Kilometer. Das war mein Ziel. Durch die Männchen hatte ich das Ziel jeden Tag vor meinen Augen. 

In Wahrheit waren es meistens mehr wie 6 Kilometer. Es waren oft bis zu 120 Kilometer in der Woche.

Warum?

Weil ich gleichzeitig den Greif-Plan gemacht habe. Fünf bis sechs Trainingstage pro Woche – und an den „freien“ Tagen bin ich halt locker gelaufen. Dachte ich zumindest. Heute weiß ich dass, das war wahrscheinlich der Fehler.

Die Balschuweit sind ihre Streaks langsam gelaufen. Ruhig. Kontrolliert. Zwar auch 20 Kilometer Läufe oder mehr, dafür immer in gleichen, langsamen Tempo. Das ist natürlich auch nicht leicht und ich kann mir bis heute nicht erklären, wie das geht.

Ich dagegen habe alles kombiniert:

Keine echte Regeneration. Null.

Und mir kam nie der Gedanke, dass ich zu viel trainiere. Ich dachte immer: „Ich bin halt müde. Ist halt so.“

Mein Fehler war, dass ich zu schnell und zu oft gelaufen bin – genau darüber schreibe ich auch in [Laufen ab 40: Warum langsamer schneller macht].

Übertraining ab 40 – und ich habe es nicht erkannt

Mit der Zeit wurden meine Beine immer schwerer. Nicht nach einem harten Training – immer. Ich hatte bei der Arbeit Schmerzen beim Sitzen, Schmerzen beim Gehen. Immer.

Ich bin aufgestanden und die Beine waren müde. Ich bin gelaufen und sie wurden nicht warm. Ich habe geschlafen und war trotzdem erschöpft.

Aber an Übertraining ab 40 habe ich nicht gedacht.

Übertraining passiert doch nur Profis. Oder Weicheiern. Dachte ich.

Stattdessen habe ich Blödsinn gekauft:

Alles – nur nicht die Wahrheit.

Die Wahrheit war:

Mein Körper konnte nicht mehr.

Der Moment, der alles gestoppt hat

Eines Tages kam ich von der Arbeit nach Hause. Ich war komplett fertig. Gliederschmerzen. Kopfschmerzen. Keine Energie.

Ich habe mich hingelegt – und 3–4 Stunden geschlafen.

Als ich aufgewacht bin, war mein erster Gedanke nicht Gesundheit, sondern:

„Ich bin heute noch nicht laufen gewesen.“

Ich hatte Fieber und ich wollte mir trotzdem die Schuhe anziehen.

Das war nicht heldenhaft. Das war krank.

Zum Glück hat mich meine Frau gebremst.

Wirklich. Sonst wäre ich gelaufen.

An diesem Tag ist meine Männchen-Kette in der App gerissen. Und seitdem habe ich nie wieder einen Streak gemacht.

Warum Übertraining ab 40 anders ist

Heute weiß ich:

Übertraining ab 40 ist nicht laut und kommt nicht plötzlich. Es tut nicht gleich weh. Es schleicht sich ein.

Du bist einfach:

Und das Gefährliche:

Du glaubst, dir fehlt Disziplin und Motivation.

Dabei fehlt dir Regeneration. Irgendwann ist zu viel. Mit 20 kannst du viel kompensieren. Mit 40 nicht mehr. Und mit 50 schon gar nicht.

Was ich daraus gelernt habe

Ich war wahrscheinlich nie wieder im Übertraining, seit dieser Streak gerissen ist.

Nicht, weil ich weniger Ehrgeiz habe. Sondern weil ich endlich verstanden habe, dass mehr nicht besser ist. Ich trainiere auch heute manchmal 15 Tage, manchmal länger ohne Pause. Aber ich vermische jetzt meine Trainings. Ich gehe laufen, ich gehen in Fitnessklub. Und wenn ich nicht trainieren mag, dann trainiere ich halt nicht. Ohne schlechtes Gewissen.

Heute weiß ich:

Übertraining ab 40 entsteht fast immer aus dem gleichen Muster:

Du willst alles richtig machen. Du liest. Du trainierst. Du ziehst durch. Und du hörst nicht auf deinen Körper.

Warum ich diese Geschichte erzähle

Nicht, um stolz zu sein. Nicht, um Mitleid zu bekommen. Sondern weil ich weiß, dass viele genau da drinstecken.

Sie laufen. Sie trainieren. Sie beißen durch. Und wundern sich, warum nichts mehr geht. Wenn du dich hier wiedererkennst, dann ist das kein Zufall.

Fazit: Übertraining ab 40 ist kein Zeichen von Schwäche

Übertraining ab 40 passiert nicht, weil du zu wenig willst.

Es passiert, weil du zu lange gegen deinen Körper arbeitest.

Ich habe gelernt:

Nicht jeder Lauf macht besser. Nicht jeder Tag braucht Training. Und nicht jede Pause ist ein Rückschritt.

Manchmal ist sie der einzige Weg nach vorne.

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